Brauchen wir Kategorien für unsere sexuelle Identität?

Gender ist in aller Munde

Vor einiger Zeit las ich folgenden erfrischenden Textausschnitt in der Süddeutschen Zeitung:

Emily Ratajkowski, 29, US-Model, hat eine ungewöhnliche Antwort auf die Frage, welches Geschlecht ihr ungeborenes Kind hat. „Wir antworten dann, dass wir das Geschlecht nicht wissen werden, bis unser Kind 18 ist – und dann wird es uns das sagen“, schrieb sie in einem Essay in der Vogue. Ihr gefalle die Idee, ihrem Kind so wenige Geschlechter-Stereotypen aufzuzwingen wie möglich. Ratajkowski und ihr Mann, der US-Schauspieler Sebastian Bear-McClard, 31, werden zum ersten Mal Eltern. (Süddeutsche Zeitung, 12.03.21)

Das Thema „Gender“ ist inzwischen nicht mehr nur ein Thema, das eine Randgruppe betrifft, die einmal im Jahr am Christopher Street Day im Zeichen der Regenbogenfahne durch die Straßen zieht und für ihre Rechte eintritt. Es hat eine breite gesellschaftliche Diskussion erreicht: Die „Heute“-Sprecher*innen des ZDF verzichten inzwischen auf die althergebrachte Formel: „Guten Abend, meine Damen und Herren.“ Auch bei der Deutschen Bahn ist „Liebe Gäste“ als Begrüßung etabiliert und selbst die Lufthansa hat „Ladies and Gentlemen“ aus ihrem Wortschatz gestrichen. 

Das binäre Geschlechtermodell von Frau und Mann wird aufgelockert und „queer“ durch die Gesellschaft wird „gegendert“. Die offizielle Erweiterung der Geschlechtsidentitäten um die Kategorie „divers“ hat in die Unternehmen Einzug gehalten. Die LSBTIQA+-Gemeinde wird stetig um kreative, bunte Buchstaben reicher. Das ist eine begrüßenswerte Entwicklung, finde ich. 

Aber reicht es aus, immer neue Begriffe zu etablieren, in denen sich alle wiederfinden? Die gesellschaftliche Entwicklung erreicht dadurch eine neue Bandbreite. Aber erreicht sie auch eine größere Tiefe? Und wissen wir eigentlich, wovon wir sprechen, wenn wir uns selbst einer Kategorie zuordnen? Hat die Diversität im Außen eine Entsprechung in unserer Psyche?

Die Fünf Kontinente der Psyche

Die IndividualSystemik hat für unsere innere Diversität eine neuartige Einteilung in „Fünf Kontinente“ etabliert. Sie spricht von den Kontinenten „Frau, Mann, Kind, Tier und Gott“. Es handelt sich dabei um fünf archetypische Felder unseres Menschseins, die wir in jedem Menschen in unterschiedlicher Gewichtung vorfinden. Das Modell ist ein revolutionär neuer Blick auf unsere innere Diversität, das ich selbst als sehr klärend und befreiend erlebt habe. Es ist ein Modell, das zutiefst Sinn ergibt und unsere innere Vielheit nachvollziehbar strukturiert. 

Wenn ich meinen lesbischen Freund*innen von den Kategorien „Frau“ und „Mann“ in der IndividualSystemik erzähle, reagieren sie häufig wie von der Tarantel gestochen oder winken müde ab. Schnell wird diese Einteilung als „konservativ“ eingestuft. Stimmt das? Engt uns diese Sichtweise auf unser Inneres ein oder vertieft sie unser Verständnis? Und in wieweit birgt das Modell der Fünf Kontinente die Chance, ein grundlegend neues Verständnis für unsere Geschlechtsidentität zu bekommen?

Eine Umfrage im dubistviele-Feld

Um diesen Fragen nachzugehen, habe ich mich im Kreise der individualsystemischen Forscher*innen umgehört. Ich habe mit acht Personen eine Umfrage durchgeführt. Sieben von ihnen bezeichnen sich als „Frau“, eine von ihnen teilt sich selbst als „genderfluid“ ein. Vier der Teilnehmerinnen ordnen sich als heterosexuell ein, zwei als lesbisch, eine als bisexuell und zwei als „flexibel“. Vielen Dank an all die Mutigen, die bei der Umfrage mitgemacht haben. Ich habe euch exemplarisch ein paar Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wie ist das für dich, Quellen aus den Kontinenten Frau, Mann, Kind, Tier und Gott in dir zu finden?

Alle Frauen erleben es als großen Gewinn, ihre innere Vielheit mithilfe der Fünf Kontinente beschreiben zu können. Die Wahrnehmung ihrer Innenwelt wird differenzierter und das Modell gibt ihnen eine Orientierung, welche Schwerpunkte ihre Psyche aufweist und welche Kontinente fehlen.

Hier zwei Antworten:

„Das Modell der Fünf Kontinente bedeutet für mich, zu diesen Kräften differenziert Zugang zu haben … Zudem macht es das Ungleichgewicht meiner inneren Kräfte fassbarer. Warum es mir z.B. schwerfällt, eine tiefere Bedürftigkeit zu spüren, liegt daran, dass ich kaum Zugang zu meinen ganz kleinen inneren Kindern habe. Oder warum ich mein Leben mehr mit weiblichen Fähigkeiten, z.B. in meinem therapeutischen Beruf, gestalte …“

„Als Frau mit starken technischen Neigungen habe ich mich unter Frauen immer etwas als Außenseiterin gefühlt. Deswegen hatte ich erwartet, dass dafür ein Mann in meinem System verantwortlich ist. Was mich überrascht hat, ist, dass mein Denker in der Tiefe eine Frau ist, eine Forscherin, und dass meine zentrale Geheime Machtseite eine Matriarchin ist. Ich bin viel mehr Frau, als ich dachte!“

Hat das dein Selbstbild verändert, dass du als Frau männliche Quellen in dir hast?

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Ich habe euch ja in Androgyn und in Der Patriarch in mir beschrieben, wie revolutionär für mich die Erkenntnis war, als Frau einen zentralen inneren Mann in mir vorzufinden, der Frauen begehrt. Ich habe darüber ein ganz neues Verständnis meines Androgyn-Seins und meines Lesbisch-Seins bekommen. Ich habe verstanden, dass mich diese Mischung aus Mann und Frau zu einer androgynen Frau macht. Und ich konnte spüren, dass mein Mann dazu beiträgt, dass ich Frauen anziehend finde.

So war ich sehr gespannt, wie sich das bei den befragten Frauen verhält. Ich wollte wissen, ob es ihr Selbstbild verändert hat, als Frau einen inneren Mann in sich zu haben. 

Die Frauen schreiben: 

„Ich habe dadurch meine männlichen Fähigkeiten bewusster zugänglich. Als sich mein innerer Mann wieder mit seiner guten Kraft verbunden hatte, konnte ich meinen Alltag besser organisieren und zum Beispiel mein Büro besser ordnen. Ich wurde selbstbewusster und klarer, wenn ich theoretisches Wissen vermittelte. Es hat mich im Umgang mit Männern im Beruf insgesamt selbstbewusster gemacht.“

„Ich fühle mich vollständiger, seit ich meinen inneren Mann entdeckt habe. Auch kraftvoller. Auch in anderer Weise verbunden mit Männern. Ich kann mich jetzt sozusagen von Mann zu Mann beziehen und nicht mehr nur von Frau zu Mann. Das macht einen großen Unterschied …“

Erlebst du das Phänomen der Anziehung im Inneren als polar?

Als ich meinen inneren Mann entdeckte, der Frauen liebt, habe ich begonnen, mich zu fragen, ob Anziehung „polar“ ist, also von weiblichen inneren Quellen zu männlichen inneren Quellen geht und umgekehrt. Ich traute mich zu Beginn kaum, diese Frage zu stellen, hatte ich ja viele Jahre darunter gelitten, dass in unserer Gesellschaft das Phänomen der „Heterosexualität“ postuliert wurde. Nach und nach machte ich mich von meinen Bedenken frei. Auch wenn Anziehung im Inneren polar sein sollte, so ließ es doch alle Möglichkeiten „im Außen“ offen.

Ich bekam folgende spannende Antworten auf meine Frage: 

„Es gibt Momente, in denen meine inneren Frauen die männliche Kraft anziehend finden und umgekehrt. Dann ist da die polare Anziehung, eine positive Spannung, in der ich in die eine oder andere Rolle gehen kann und es sich ergänzt … Wenn meine inneren Frauen andere innere Frauen anziehend finden, ist es eher eine weichere, gleichklingende, sich ausdehnende Energie, die sich im Miteinander verstärkt. Das sind zwei unterschiedliche Arten. Ich denke, dass sexuelle Orientierung etwas damit zu tun hat, zu welcher Qualität – die ja in Inneren Personen begründet ist – ich mich in einem Menschen hingezogen fühle. Es muss ergänzende UND ähnliche Innere Personen geben, so dass Spannung und Verbindung möglich sind.“

„Meine Beziehungsfrau ganz vorne ist eindeutig ´heterosexuell. Sie mag Sinnlichkeit und gibt sich gerne hin. Sie ist aber auch neugierig und wäre womöglich auch offen für einen Kontakt mit einer Frau. Mein vorderer innerer Mann ist eindeutig an Frauen interessiert. Wenn ich ganz in ihn eintauche, fühle ich mich falsch in meinem Körper, er fühlt sich darin gefangen. Ich kann dann Transgender-Menschen wirklich verstehen. Es gab immer wieder Situationen mit Männern, neben denen ich lag und mich plötzlich ganz fremd fühlte und mir wünschte, sie wären eine Frau. Das hat mich immer sehr erschrocken, weil es so vehement war. Ich habe es dann weggepackt. Jetzt weiß ich, woher es kommt. Ich habe seinen Wunsch nie ausgelebt. Denn bisher tritt er nicht offen für seine Bedürfnisse ein.“

Vier weitere Befragte erzählen, dass sich ihre inneren Frauen durchaus für Frauen interessieren würden – ob sich ihr Interesse auf jeweils eine weibliche oder eine männliche Quelle im Gegenüber bezieht, blieb offen. Ich habe vor kurzem eine innere Frau entdeckt, die das Weibliche in Frauen sexuell anziehend findet und sich auf sinnliche Weise mit ihnen verbinden will. Insofern habe ich nun selbst meine These widerlegt. 🤓

Welchen Beitrag leistet die IndividualSystemik zum Thema Gender?

Eine der Frauen schreibt:

„Die IndividualSystemik bietet durch das Konzept der Fünf Kontinente einen differenzierten Blick auf Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung … Sie fächert beides genau auf und macht sie nachvollziehbar. Sie lehrt Toleranz und Miteinander der verschiedenen Kräfte in uns und im Außen.“ 

Eine zweite Frau meint: 

„Für mich ist der zentrale Aspekt der IndividualSystemik in Bezug auf das Genderthema die Auflösung des Konzeptes der sexuellen Identität in die Polaritäten ‚Frau‘ und ‚Mann‘. Dadurch, dass wir die Diversität in uns anerkennen, können wir uns für beide Qualitäten – die ‚weibliche‘ und die ‚männliche‘ – öffnen. Wenn Männer und Frauen zu den unterschiedlichen Qualitäten in sich Zugang haben, entsteht mehr Freiraum …

Die IndividualSystemik gibt uns klare Werkzeuge an die Hand, um im Inneren zu untersuchen, wer unsere Geschlechtsidentität und unsere sexuelle Orientierung prägt. Dabei entstehen unzählig viele Möglichkeiten, sich auszudrücken: z.B. als androgyne Frau, die Frauen anziehend findet, als „weiblicher“ Mann, der Männer begehrt, als Mensch, der sich auf keine äußere Geschlechtszuschreibung festlegen will. Und natürlich haben darin auch heterosexuelle Menschen Platz, die in sich in ihrem biologischen Geschlecht zuhause fühlen und das andere Geschlecht anziehend finden 😊.

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Unsere Geschlechtsidentität ist nicht in Stein gemeißelt, sondern kann sich im Laufe unserer Innenweltreise und mit dem Kennenlernen von neuen Inneren Personen verändern. Durch eine Frau in mir, die auf Beziehung ausgerichtet ist, bekomme ich im Moment eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, als Frau einen Mann zu lieben. Ob sich dies einmal in meiner Partner*innenwahl ausdrücken wird, bleibt noch offen.

Soweit mein Einblick in die Antworten der interviewten Frauen. 

Damit will ich gerne zurückkommen auf meine Ausgangsfrage: 

Engt uns die individualsystemische Einteilung in Kontinent Frau und Mann ein?

Das Männliche in mir als männlich zu erkennen und auszuloten hat mein Selbstverständnis entscheidend vertieft. Wie genau bin ich in Karim? Ich bin eben nicht „klassisch“ männlich, also nicht planend, vorausschauend und strukturiert. Ich bin eher impulshaft, gefühlsbetont und lasse mich von meinem Bauch leiten. Ich befinde mich mit ihm im Grenzbereich zu Kontinent Tier. 

Dieses Tiefergehen im Verständnis meines inneren Mannes ist die Voraussetzung, dass er sich seiner selbst wieder bewusst wird und seine Art und seine Fähigkeiten und ja, auch seine Bedürfnisse, wieder in Besitz nehmen kann. Durch diesen Vorgang kann ich Männern im Außen freier, selbstbewusster und offener begegnen.

Den Kontinent Frau in mir weiter zu erkunden, ist nun mein aktueller Fokus. Ich freue mich darauf zu entdecken, welche verschiedenen Arten von Frauen ich in mir trage und wie sie sich in meinem Leben ausdrücken wollen. Auch diesen Schritt erlebe ich als Vertiefung meines Begreifens von mir selbst. 

Dass das Modell der Fünf Kontinente neben den weiblichen und männlichen Aspekten die Qualitäten von Kind, Tier und Gott zusätzlich auffächert, macht die Bandbreite noch um vieles reicher und vielseitiger. Dadurch wird deutlich, dass wir neben den weiblichen und männlichen Aspekten zusätzlich über leidenschaftlich-instinkthafte, kindlich-verspielte und überpersönliche Qualitäten verfügen – alles Facetten, die sich in unserer Identität und der Art unserer sexuellen Neigungen ausdrücken können. Mit der IndividualSystemik und dem Modell der Fünf Kontinente können wir die ganze Fülle unseres Menschseins detailliert beschreiben und erfassen.

Insofern will ich meinen lesbischen Freundinnen entgegnen: Nein, diese Einteilung in „Frau“ und „Mann“ als zwei archetypische Felder der Fünf Kontinente engt nicht ein. Im Gegenteil: Sie öffnet ganz entscheidend mein Begreifen von mir selbst. Und sie macht mich freier und vertieft mein Verständnis meinen Mitmenschen gegenüber.

Brauchen wir Kategorien für unsere sexuelle Identität und Orientierung?

Brauchen wir die klassischen Geschlechtskategorien von Frau, Mann, Transgender usw.? Und sind Einteilungen für unsere sexuelle Orientierung wie hetero, homo, schwul, lesbisch oder bi* sinnvoll? Schaffen sie Toleranz und weiten sie unser Verständnis für unsere Mitmenschen?

In einer Diskussion mit Veeta Wittemann wurde mir bewusst, dass unsere bisherigen Identifikationsmodelle auf Ausgrenzung basieren. Als Gruppe, die sich auf bestimmte Werte geeinigt hat, grenzen wir uns von anderen ab, statt uns für sie zu öffnen. Dieses Phänomen habe ich auch in der Queer-Szene extrem erlebt.  Meine von mir erklärte Zugehörigkeit zur Lesbenszene hat eine ganze Zeit lang mein Identitätsgefühl gestärkt. Dies war gut, um mit meinem Lesbisch-Sein vertrauter zu werden und mich durch den Kontakt mit Gleichgesinnten zu stärken. In einer Haltung der Selbstaufwertung habe ich mich jedoch von den „anderen“, also den Männern und den „Heterosexuellen“ abgegrenzt. Ich hielt mich für „anders“, ja sogar für „besser“.

Wenn man dieses Phänomen der Identitätsstärkung und Ausgrenzung anderer weiterverfolgt, so können sich dadurch Feindschaften zwischen Gruppen entwickeln, die bis hin zu Kriegen eskalieren können.

Mit dem Menschenbild der IndividualSystemik relativiert sich die Notwendigkeit von Geschlechtskategorien und sexuellen Orientierungen. Wir wissen, wir haben alle vielfältige Willenskräfte aus den Fünf Kontinenten in uns. Diese Quellen haben sich meist von ihrer ursprünglichen Natur entfernt und dadurch steht ihnen ihre ureigene, gute Kraft nicht mehr frei zur Verfügung. Wenn wir diese Willenskräfte kennenlernen und uns ihren oft sehr tiefen Ohnmachtsthemen zuwenden, können wir uns als Menschen dahin entwickeln, wie wir ursprünglich gedacht sind: als Individuen, die verbunden sind mit der eigen-willigen Liebe ihrer unterschiedlichen Quellen, die sich alle auf ihre eigene Art ausdrücken wollen. Durch diesen Entwicklungs- und Bewusstseinsprozess entsteht ganz natürlich ein vielfältiges und potentes Miteinander der Kräfte im Innen und im Außen. 

Das Menschenbild der IndividualSystemik basiert auf einem Verständnis des Menschen aus seiner Tiefe heraus, das uns alle vereint in unserer einzigartigen Vielfalt. 

Ich möchte mit den Sätzen von Veeta Wittemann abschließen:

„Die eigene umfassende menschliche Natur zu begreifen, sie von ihren Altlasten zu befreien, sie zu entfalten, würde von selbst ein globales WIR erzeugen. Und damit eine befriedende Wirkung entfalten.“ 

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3 Gedanken zu „Brauchen wir Kategorien für unsere sexuelle Identität?“

  1. Liebe Tilda,
    dein Artikel zum Thema Geschlechtsidentität ist sehr spannend, tiefgreifend und umfassend. Ich bin beeindruckt davon, welche Fragen du dir stellst, wie gründlich und beharrlich du ihnen nachgehst und dich auch nicht scheust, deine eigenen Thesen über den Haufen zu werfen. Die Antworten der Frauen aus deiner Umfrage sind für mich wie ein Blick durch das Schlüsselloch ins Reich der unendlichen Möglichkeiten unseres menschlichen Erlebens.
    Mir ist beim Lesen noch klarer geworden, wie wenig ich selbst bisher von diesem Reich kenne. Ein Grund mehr für mich, meine „Beziehungsfrau“ weiter zu ergründen, die bisher Beziehung vor allem verhindert.
    Deine Gedanken und die Antworten der interviewten Frauen haben mich dazu angeregt gründlicher nachzuspüren, von welchen Qualitäten sich meine inneren Frauen und mein innerer Mann angezogen fühlen. Ich bin gespannt darauf, wie viel offener und toleranter ich Menschen gegenüber sein kann, wenn ich die Schubladen weglasse.
    Vielen Dank für deine Anregungen und deine Offenheit!
    Liebe Grüße, Stella

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  2. Liebe Tilda,
    ich finde deine Auseinandersetzung mit dem Gender-Thema sehr interessant und unglaublich faszinierend. Ich konnte in mir durch die individualsystemische Forschung eine Frau und einen Mann in meinem Frontteam entdecken. Aber wie sich das auf meine sexuelle Identität auswirkt, diese Frage hatte ich mir nicht wirklich gestellt. Wäre es nicht toll, wenn wir uns auf diese Vielfalt in uns allen verständigen könnten, anstelle uns noch mehr gegeneinander abzugrenzen?!
    Danke, dass du deine Gedanken und dein Erleben hier teilst, das ist für mich sehr bereichernd.
    Viele Grüße

    Antworten
  3. Liebe Tilda,
    du bist in deinem Artikel einer spannenden Frage nachgegangen. Mir ging es zu Beginn meiner Beschäftigung mit der IndividualSystemik auch so, dass es mich irritiert hat, von typisch männlichen und weiblichen Qualitäten zu lesen. Ich empfand das als konservativ und klischeehaft und war fast etwas empört darüber, dass hier Frauen wieder Eigenschaften wie Bezogenheit und Emotionalität zugesprochen wird. Zumal ich mich als Frau so ganz anders wahrnehme.
    Inzwischen sehe ich aber, dass das Konzept der Fünf Kontinente und die Annahme vieler Innerer Personen das Gegenteil einer stereotypen Einordnung der Gesamtperson in die eine oder andere Schublade ist. Viel mehr ist es eine unglaublich differenzierte Herangehensweise, in jedem Menschen gerade diese vielen verschiedenen Qualitäten aufzuspüren, so dass sie im Idealfall in einer guten Gemeinschaft nebeneinander und miteinander leben können. Aber eben nicht durch die allgemeine Annahme eines inneren Kindes oder einer Anima und einem Animus. Sondern ganz konkret und erfahrbar in der Begegnung mit den Innere Personen.
    Ich bin bei meiner inneren Forschung bislang noch nicht auf einen inneren Mann gestoßen. Aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sich in mir nicht auch eindeutig männliche innere Personen tummeln. Und das macht mich neugierig auf die weitere Forschung.
    Vielen Dank dass du dieses Thema so ausführlich für uns beleuchtet hast!
    Liebe Grüße,
    Aurora

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