Der Weg zu mir – Blog-Tagebuch Teil 3

Wo meine Energielöcher herkommen

Mit diesem Blog-Tagebuch möchte ich dich mit auf die Reise in die Tiefe meiner Innenwelt nehmen, zu meiner Matriarchin DonnaAntica. Diese Geheime Machtseite in mir war für mich selbst so ungreifbar, dass es allein ein Jahr gedauert hat, ihren Einfluss auf mein Leben zu erkunden.

Teil 3 und 4 handeln davon, welch grundlegende Rolle DonnaAntica in meinem Leben spielt.

Es gibt einen Grund, warum es mir so wichtig ist, mich selber zu verstehen: Ich erzeuge ein wiederkehrendes Muster in meinem Leben, an dem ich selber verzweifle. Wieso brauche ich immer so komplizierte, herausfordernde Umstände im Außen? Wieso muss ich vor anderen ausschließlich souverän wirken? Wieso bin ich dauernd getrieben und unter selbst erzeugtem Druck? Wieso gehe ich dadurch so an meine körperliche Grenze, bis nichts mehr geht? Ich bin dann dermaßen ausgelaugt, dass ich körperlich erschöpft, geistig stumpf und energielos in der Ecke hänge.

Wegen genau dieser Energielöcher hatte ich irgendwann einmal eine Therapie angefangen. Damit wurde es eine Zeit lang besser, aber nicht anhaltend. Andere Umstände tauchten auf, die zur nächsten Selbstüberforderung führten. Das letzte Mal war vor einer Woche. Drei Tage hatte ich bei einem Projekttreffen mit langer Anreise, anstrengenden Terminen, abendlichen Events und einem selbstüberzeugten, aber inkompetenten Projektleiter brav gute Arbeit geleistet. Drei Tage habe ich danach gebraucht, um mich halbwegs wieder selber zu spüren. Warum hatte ich nicht gemerkt, wie müde ich eigentlich bin? Warum hatte ich sogar extra viel Einsatz gebracht, um die schlechte Projektleitung auszugleichen, statt meinen Unmut darüber auszudrücken?

ViDI-Studio/Shutterstock.com

Meine Machtseite hat ihren Spaß!

Seit der Sitzungsarbeit mit Veeta Wittemann in Schweden ist ein Jahr vergangen. Dort hatte sich die Frau in der Tiefe meiner Innenwelt zum ersten Mal gezeigt, ganz erstarrt in einer alten Erinnerung. Dieses Mal mache ich mich nach Freiburg auf, um mit einer Begleiterin weiter zu forschen. Erst besprechen wir, wie es mir geht, wieviel ich im Alltag zu meistern habe, was mich das alles kostet. Dann wollen wir DonnaAntica direkt begegnen. Dazu setze ich mich hinten auf ihren Platz in meinem System – und bin baff.

Bei DonnaAntica ist von Müdigkeit keine Spur. Sie sitzt aufrecht erhöht wie auf einem Thron. In ihrer Position erlebe ich mich im völligen Machtrausch, gepaart mit purer Bequemlichkeit. Herr-lich! Meine vorderen Inneren Personen dürfen für sie spuren, wie Pferde vor ihre königliche Kutsche gespannt. In vollem Galopp für die hehren Ziele von DonnaAntica, für eine bessere Welt!

Halt, Augenblick, für eine bessere Welt? Wie passt das zu „bequem in einer Kutsche sitzen“? Da stimmt doch etwas nicht. Über die Jahre, vielleicht Jahrhunderte, hat meine Matriarchin vergessen, wofür sie eigentlich mal stand, was ihre ursprünglichen Werte waren. Übrig geblieben ist eine schwarze Königin, die die technisch-männliche Welt verurteilt. Daraus zieht sie die Berechtigung, die Bequemlichkeiten dieser Welt zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Annemaries eigene Zeichnung

Ihre Kontrolle meines Inneren Systems

Während ich mich also jahrelang aus meinen vorderen Inneren Personen bemüht und abgerackert habe, hat DonnaAntica diese im wilden Galopp immer weiter angetrieben. Allein schon, weil es sich für sie so gut anfühlt. Dabei ist sie selber völlig passiv und bietet keine Unterstützung mehr. Sie, die vermutlich kraftvollste meiner Inneren Personen, macht einfach nicht mehr mit!

Doch nicht nur das. Heimlich setzt DonnaAntica ihren Willen durch, der natürlich nicht sichtbar werden darf. Um ihr Nein zu tarnen, müssen meine vorderen Inneren Personen noch gewissenhafter und noch fleißiger agieren. Denn schließlich sollen die Wertefahnen für eine bessere Welt hochgehalten werden – auch wenn oder gerade weil sie als meine Geheime Machtseite ihre Werte selber nicht mehr lebt.

Aus der Tüchtigkeit meiner vorderen Inneren Personen zieht DonnaAntica ihren Machtrausch – für dieses Gefühl, alles(!) nach ihrem Willen lenken können. Dabei nimmt sie keine Rücksicht auf Verluste, Hauptsache sie hat es weiter bequem. Die Macht, die sie spürt, wenn sie die anderen antreibt, ist für sie wie eine Droge.

Statt also wie eine Matriarchin ihre Führung im Sinne aller einzusetzen, beutet DonnaAntica meine Vorderen für ihre Zwecke gnadenlos aus. In ihr also verschwindet meine Energie wie in einem schwarzen Loch. Kein Wunder, dass ich als ganze Annemarie oft nur gerade so den Alltag schaffe. Eigentlich ein Wunder, dass ich trotz dieser hohen inneren Reibungsverluste so weit in meinem Leben gekommen bin. Doch auch das ist ihr Wirken, denn selbstverständlich gibt DonnaAntica die Richtung vor …

Eigentlich wäre der nächste Teil meines Blog-Tagebuchs zwei Wochen später erschienen, aber ich hätte dich nur mit mehr von dem Gleichen hingehalten (DonnaAntica lässt grüßen). Jetzt geht es nach der Sommerpause weiter – dann angereichert mit vertiefenden, neuen Erkenntnissen von meinem Retreat bei Veeta in Schweden.

3 Gedanken zu „Der Weg zu mir – Blog-Tagebuch Teil 3“

  1. Liebe Anita und liebe Phoenix,
    vielen Dank für Eure wunderbaren Kommentare.
    Das stimmt, Anita, ohne die IndividualSystemik wäre mir dies alles nicht bewusst geworden. Und das war ja auch nicht das Ziel. DonnaAntica hat die Therapien genutzt, um mein System zu optimieren. Diese Energielöcher waren ihr lästig, meine vorderen Inneren Personen sollten besser spuren. Dafür hat sie sich gerne den Rat der Therapeut*innen eingeholt. Als das viele Gerede zu keinen neuen Erkenntnissen geführt hat, war Schluss damit. Diese Eigenmächtigkeit von DonnaAntica kann ich heute spüren. Damals habe ich mich nur weiter hilflos meinem eigenen Hamsterrad ausgesetzt gefühlt. Und erst diese Woche ist es mir wieder so “ergangen”.

    Ich finde es als Ganze sehr herausfordernd, Phoenix, beides im Blick zu halten und nicht in meine eigene Falle zu tappen. Noch schafft es DonnaAntica immer wieder, meine vorderen Inneren Personen mit oh so wichtigen Aufgaben zu beschäftigen und sich selbst in Unschuld zu waschen, nur genau darin kann ich ihr Wirken erkennen.

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  2. Liebe Annemarie, liebe Anita,
    was für mich so deutlich wird aus deiner, Annemaries, Erfahrung und deinen, Anitas, Gedanken dazu ist, wie ‚crazy‘ es ist, dass wir gleichzeitig dieser (oder ein ähnlicher) machtvoller Wille sind UND Opfer davon. Dass also beides ICH bin, ICH treibe mich an bis zum Letzten und eben auch ICH bin davon erschöpft und kann daran kaputtgehen. Aus meiner eigenen Prozesserfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, beides immer wieder aufzusuchen, mich direkt aus diesem geheimen Willen heraus zu erleben UND auch immer wieder alle anderen in mir oder ‚mich als Ganze’ in den Blick zu nehmen und für sie/mich auch aktiv zu sorgen. In diesem Verständnis vom eigenen Willen ist die IndividualSystemik so einzigartig. Dass sich so ein besessener Wille ändern kann, wenn ich als Ganze den Mut und die Ausdauer habe, mich damit aktiv und bewusst zu identifizieren, diese Erfahrung habe ich gemacht. Das ist ein wahres Wunder. Und, so wie du, Anita, schreibst, eine endlich nachhaltige Lösung…

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  3. Liebe Annemarie,
    was für ein wunderbares Beispiel dafür, wofür die Individualsystemik gut ist! Da würde niemand im Traum drauf kommen, dass du bzw. dein tiefster Wille im Inneren (unbewusst) SPASS daran hat, dich so über deine Grenzen gehen zu lassen. Ich kann mir gut vorstellen, wie du von Therapie zu Therapie gehen würdest und wieviele Theorien die verschiedenen Therapeuten aufstellen würden. Und die ganze Zeit kämst du keinen Schritt weiter. Aber so kannst du es erleben und diese Stelle auch ganz gezielt wieder aufsuchen.
    Das selbst in sich zu erleben, was vorher ganz unbewusst war, ist ein ganz schöner Schock, das kann ich nachempfinden.
    Und schön, wie du beschreibst, dass die Körperempfindungen in den verschiedenen Inneren Personen so krass unterschiedlich sein können. Sonst könnte DonnaAntica das ja auch nicht durchziehen.
    Ich habe mich wunderbar gegruselt, du schreibst so spannend. Damit zu leben ist ja dann weniger schön. Und ich bekomme auch das Gefühl, das DonnaAntica vor etwas davonrennt, sonst würde sie den Machtrausch nicht ständig brauchen.
    Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

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